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ZUM ADVENT

Liebe Gemeinde,

Türen öffnen. Dazu ruft uns der Advent. Doch wem sie öffnen? Vielleicht können wir im Advent drei Türen öffnen. Jede hat ein Schloss; einen Schlüssel dazu auch. Die erste: GEWOHNHEIT. „Das war schon immer so.“ Oder auch: „Das hat´s noch nie gegeben.“ Reflexe von guten, schlechten oder nur scheinbaren Erfahrungen, auf Deutsch: Vorurteile. Wer immer nur das tut, was er schon immer getan hat, wird auch nur das bekommen, was er schon immer bekommen hat. Der Schlüssel dazu heißt: PHANTASIE. Phantasie ist eine Gabe des Heiligen Geistes. Dadurch ist sie vor Verirrung und Blödheit geschützt. Wer sich umdreht, traut den Träumen, die von Gott kommen in einer Welt, die noch lange nicht so ist, wie oft beschrieben. So könnte es sein – und wir beginnen etwas zu ahnen, was der Herr seiner geschundenen und ausgebeuteten Menschheit tun möchte. Wir sehen nur einen spaltweit durch eine offene Tür, aber das genügt als Hoffnungspotential. Offene Herzen, offene Mauern, offene Gedanken.

Die zweite Tür heißt VORSICHT. Ich meine nicht die schützende an einer gefährlichen Straße etwa, sondern jene, die klein macht und eng. Es könnte schief gehen, ich könnte ausgelacht werden, es könnte ein Misserfolg werden. Dazu passt ein Schlüssel von der Firma: MUT. Was später im Hebräerbrief wiederholt wird, sagt Jesaja 35,3 „Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest! Sagt den Verzagten: Habt wieder Mut.“ (Im Hebräerbrief wird das wieder auftauchen.) Alle Dinge, die später werden und wachsen durften, waren sie nicht oft solche, wo wir uns zunächst fürchteten und dachten, daraus wird nichts? Fehlerfreundlichkeit sollen wir gewähren und mit Lob ermutigen. Dann erträgt man auch einen Fehlschlag, als wenn immer nur auf das Scheitern gelauert würde. Es gibt keinen kälteren und liebloseren Satz als: „Nicht gemeckert ist genug gelobt.“

Die Dritte Tür liegt gleich nebenan, sie ist die Nachbartür zur Vorsicht. Dort steht ANGST dran. Angst frisst die Seele auf. Schade ist, dass wir im Deutschen nur ein Wort haben. In den alten Sprachen gibt es sieben verschiedene Vokabel, zwei kennen wir auch im Deutschen: Phobie und Hysterie. „Phobia“ ist eher ein Schutz, z.B. für Kinder an der roten Ampel: „Bleib stehn, es ist gefährlich“ „Hysteria“ hingegen zerstört. Es meint die Angst, ich muss alles selber schaffen; „wenn man nicht alles selber macht“ etc. Dann werden wir Einzelkämpfer und sind bald am Ende unserer Kraft. Dazu kann ein Schlüssel die verrammelten Möglichkeiten aufschließen: GLAUBE. Gerade will unser Land in Hysterie ersaufen. Alles geht nur noch mit angeheizten Worten. Wer glaubt, lässt sich nicht anstecken! Christus hat deine Angst überwunden.

Euer Pfarrer Jörg Coburger