Reformation

Liebe Gemeinde,
wieder werden wir am 31. Oktober den Reformationstag feiern. Was da im Jahre 1517 in Wittenberg in Gang kam, ist bis heute ein entscheidender Impuls. Die Reformation brach an der Frage der Gottesbeziehung auf. Immer wieder baut sich etwas zwischen uns auf. Wir behaupten gern, wir merkten und wüssten das selber und strengen dazu auch unser überaus wendiges, launiges Gewissen an. Auslöser war die Frage der Ver-gebung. Mir fällt auf, dass heute gern in Medien, auch in Schulbüchern, vom Geistli-chen abgelenkt werden soll. Die Reformation brach geistlich, an der Gottesfrage, auf. An der Frage nach Gottes Gnade! Luther war erschreckt: „Ich bin nicht so, wie Gott mich haben will“ hatte er erkannt. Luther: „Ich hasste diesen Gott“ Seine Gottesvergif-tung war eine Gottesverwechslung. Das erkannte er über dem Lesen in Gottes Wort: Gott lässt mich dennoch gelten. Ich bin gerecht vor ihm, weil er in Christus alles zwi-schen uns schon aus dem Weg räumte. Wir sind im Glauben schon gerecht vor Gott! Allein Glauben, nicht in der Selbst-Gerechtigkeit.
Wir könnten die gesamte Theologie Martin Luthers in einem Satz zusammenfassen: Liebe kann man sich nicht verdienen! (Genau das hatte Luther versucht.) Es gehört zu unseren menschlichen Irrwegen, dass wir es bis heute dennoch immer wieder ver-suchen, Gott gegenüber und auch dem Menschen, indem wir glänzen und punkten wollen. Uns eben nicht beschenken lassen, sondern weil wir alle Liebe und Anerken-nung selbst gemacht haben wollen. Leistung soll sich lohnen, auch vor Gott. (Matthäus 20, 1-16)
Mit dem Reformationstag wird uns klar gemacht, dass die Kirche sich nicht dadurch ändert, indem sie sich – aber nur angeblich - immer besser organisiert. Der Beweis da-für steht an vielen Stellen ohnehin noch aus. Dass sich dabei vieles von Beginn an schöngeredet wird, weil die Ziele schon feststehen, liegt auf der Hand. Entscheidend ist die geistliche Frage: Was will der Herr der Kirche von uns? Dazu gehörte eine klare und deutliche Bilanz, wo wir als Kirche gerade stehen. (Und nicht in Hinsicht, wie gefüllt oder lückenhaft die Kassen sind!) Wer in der Diagnose betrügt, bringt sich um die Heilung. Woran dürfen wir arbeiten? Was auffällt:
1. Die Diskussion um „Gerechtigkeit“ ist vollkommen diffus und meist völlig von biblischen Inhalten abgetrennt.
2. Die Mo-ral vom Gutmensch hat den Vorrang vor der Christus-Verkündigung bekommen.
3. Die Forderung nach einer Ausgewogenheit in der Verkündigung hat zu einer Wellness-Theologie geführt.
4. Mit der EKD maßt sich eine Institution an, für alle Landeskirchen zu reden und deren Dachorganisation zu sein.
5. In den Familien findet kaum geistli-ches Leben statt, es wird nichts oder zu wenig vorgelebt.
6. In der Frage der Finanzie-rung der Kirche waren wir schon einmal mündiger und weiter als heute.
7. Die Angst davor, als Christinnen und Christen nach Römer 12, 2 u.ö. bewusst anders zu sein, uns von „der Welt“ zu unterscheiden, hat uns unsere Freiheit, anders zu sein, genommen.

In herzlicher Verbundenheit Euer Pfarrer Jörg Coburger